NetworkThrottlingIndex unter Windows konfigurieren
NetworkThrottlingIndex steuert eine historische Netzwerkdrosselung des Windows Multimedia Class Scheduler Service, kurz MMCSS.
Der Mechanismus sollte verhindern, dass umfangreicher Netzwerkverkehr zeitkritische Audio- und Multimedia-Aufgaben beeinträchtigt. Dazu konnte Windows die Verarbeitung normalen Netzwerkverkehrs begrenzen.
Die Einstellung erhöht nicht die Bandbreite des Internetanschlusses. Sie beeinflusst ausschließlich die Verarbeitung von Netzwerkpaketen innerhalb von Windows.
Technischer Hintergrund
Multimedia Class Scheduler Service
Der MMCSS priorisiert zeitkritische Multimedia-Aufgaben, beispielsweise:
- Audiowiedergabe und Audioaufnahme
- Videoverarbeitung
- Spiele
- andere Anwendungen mit zeitkritischen Threads
Ältere Windows-Versionen begrenzten gleichzeitig die Verarbeitung nicht priorisierten Netzwerkverkehrs. Historisch wurde eine Begrenzung auf ungefähr zehn Pakete pro Millisekunde dokumentiert.
Diese Drosselung sollte Multimedia-Aussetzer verhindern, konnte bei sehr schnellen Netzwerkverbindungen jedoch den maximalen Datendurchsatz beeinflussen.
Gültigkeit unter aktuellen Windows-Versionen
NetworkThrottlingIndex wurde vor allem für Windows Vista und Windows 7 dokumentiert.
Für aktuelle Windows-10- und Windows-11-Versionen existiert keine entsprechend ausführliche aktuelle Microsoft-Dokumentation zur konkreten internen Wirkung.
Der Registry-Wert ist deshalb als ältere Kompatibilitäts- und Systemeinstellung einzuordnen. Eine messbare Wirkung auf aktuellen Systemen ist nicht garantiert.
Registrierungseinstellung
Registrierungspfad
HKEY_LOCAL_MACHINE\SOFTWARE\Microsoft\Windows NT\CurrentVersion\Multimedia\SystemProfile
Name und Datentyp
Name:
NetworkThrottlingIndex
Typ:
DWORD-Wert (32-Bit)
Historisch dokumentierter Standardwert:
10 dezimal
Historisch dokumentierter Wertebereich:
1 bis 70 dezimal
Ist der Wert nicht vorhanden, entspricht das Verhalten nach der älteren Dokumentation dem Standardwert.
Bedeutung der Werte
Standardwert 10
NetworkThrottlingIndex = 10 dezimal
Der Wert 10 entspricht der historisch dokumentierten Windows-Standardeinstellung.
Er begrenzte die Verarbeitung normalen Netzwerkverkehrs, damit Multimedia-Aufgaben genügend Systemressourcen erhalten.
Für normale Arbeitsplatz-, Audio-, Video- und Spielesysteme ist der vorhandene Windows-Wert grundsätzlich die sichere Ausgangseinstellung.
Werte von 1 bis 70
Werte innerhalb des dokumentierten Bereiches verändern den Umfang der Netzwerkdrosselung.
Niedrigere Werte bedeuten eine stärkere Begrenzung der Netzwerkverarbeitung. Höhere Werte erlauben eine größere Anzahl verarbeiteter Netzwerkpakete.
Eine manuelle Feinabstimmung ist normalerweise nicht sinnvoll, da:
- die genaue Wirkung von der Windows-Version abhängt
- Netzwerkhardware und Treiber ebenfalls beteiligt sind
- moderne Netzwerkstacks anders arbeiten als die ursprünglich dokumentierten Versionen
- ohne Messung keine geeignete Zwischenstufe bestimmt werden kann
Drosselung deaktivieren
Die Netzwerkdrosselung wird historisch mit folgendem Wert deaktiviert:
NetworkThrottlingIndex = FFFFFFFF hexadezimal
Dies entspricht:
4294967295 dezimal
Im Registrierungseditor sollte dafür die Basis Hexadezimal ausgewählt und folgender Wert eingetragen werden:
FFFFFFFF
Der Wert sollte nicht als FFFFFFFF dezimal eingegeben werden.
NetworkThrottlingIndex deaktivieren
Änderung im Registrierungseditor
Unterhalb des Schlüssels SystemProfile wird ein neuer DWORD-Wert (32-Bit) mit dem Namen NetworkThrottlingIndex angelegt oder der vorhandene Wert geändert.
Als hexadezimaler Wert wird eingetragen:
FFFFFFFF
Anschließend muss Windows neu gestartet werden.
Registrierungsdatei
Die folgende Registrierungsdatei deaktiviert die historisch dokumentierte Netzwerkdrosselung:
Windows Registry Editor Version 5.00 [HKEY_LOCAL_MACHINE\SOFTWARE\Microsoft\Windows NT\CurrentVersion\Multimedia\SystemProfile] "NetworkThrottlingIndex"=dword:ffffffff
Windows-Terminal
Das Windows-Terminal oder die Eingabeaufforderung muss als Administrator geöffnet werden:
reg add "HKLM\SOFTWARE\Microsoft\Windows NT\CurrentVersion\Multimedia\SystemProfile" /v NetworkThrottlingIndex /t REG_DWORD /d 0xffffffff /f
Anschließend muss Windows neu gestartet werden.
Bewertung der Änderung
Mögliche Vorteile
Eine Deaktivierung kann auf älteren Windows-Systemen oder in bestimmten Netzwerkkonfigurationen sinnvoll sein, wenn die MMCSS-Netzwerkdrosselung nachweislich den Datendurchsatz begrenzt.
Mögliche Einsatzbereiche sind:
- sehr schnelle lokale Netzwerke
- umfangreiche Dateiübertragungen
- Netzwerk-Storage
- mehrere gleichzeitige schnelle TCP-Verbindungen
- ältere Windows-Systeme mit reproduzierbarer Durchsatzbegrenzung
Eine Verbesserung sollte mit realen Messungen vor und nach der Änderung geprüft werden.
Mögliche Nachteile
Die Drosselung wurde ursprünglich eingeführt, um Multimedia-Aufgaben vor übermäßigem Netzwerkverkehr zu schützen.
Eine vollständige Deaktivierung kann deshalb theoretisch zu folgenden Auswirkungen führen:
- höhere Systemlast bei intensivem Netzwerkverkehr
- Audioaussetzer unter hoher Netzwerk- und Prozessorlast
- beeinträchtigte zeitkritische Multimedia-Threads
- erhöhte DPC- oder Treiberlast
- keine messbare Verbesserung auf aktuellen Systemen
Die Auswirkungen hängen stark von Netzwerkadapter, Treiber, Prozessorleistung, Windows-Version und verwendeter Software ab.
Wann kann die Änderung sinnvoll sein?
Ein Test mit FFFFFFFF kann sinnvoll sein, wenn:
- eine schnelle lokale Netzwerkverbindung vorhanden ist
- der Datendurchsatz unter Windows reproduzierbar begrenzt erscheint
- Netzwerkadapter, Kabel, Switch und Gegenstelle nachweislich schneller arbeiten
- während der Übertragung keine Engpässe bei Datenträgern oder Prozessor bestehen
- die Änderung mit einem geeigneten Netzwerk-Messwerkzeug überprüft wird
Für eine aussagekräftige Prüfung eignen sich lokale Übertragungen oder Werkzeuge wie iPerf3 besser als ein Internet-Speedtest.
Wann ist die Änderung nicht sinnvoll?
NetworkThrottlingIndex ist keine geeignete Lösung für:
- langsame Internetanschlüsse
- hohen Ping durch entfernte Server
- WLAN-Störungen
- Paketverluste
- fehlerhafte Netzwerktreiber
- langsame Festplatten oder NAS-Datenträger
- ungeeignete Netzwerkkabel
- falsch konfigurierte Switches
- begrenzte Serverleistung
- DNS-Probleme
- überlastete Router
Die Einstellung erhöht weder die physische Netzwerkgeschwindigkeit noch die gebuchte Bandbreite.
Zusammenhang mit SystemResponsiveness
NetworkThrottlingIndex wird häufig zusammen mit folgendem Wert verändert:
SystemResponsiveness
Beide Werte befinden sich im selben Registrierungsschlüssel, steuern jedoch unterschiedliche Bereiche:
- NetworkThrottlingIndex betrifft die historische Begrenzung der Netzwerkverarbeitung.
- SystemResponsiveness betrifft die CPU-Ressourcenverteilung des MMCSS.
Die verbreitete Kombination
NetworkThrottlingIndex = FFFFFFFF SystemResponsiveness = 0
sollte nicht übernommen werden.
Der Wert SystemResponsiveness = 0 bedeutet nicht, dass null Prozent der Prozessorleistung für niedrig priorisierte Aufgaben reserviert werden. Werte unter 10 werden von Windows als 20 behandelt.
Für SystemResponsiveness existiert deshalb eine eigene Dokumentation:
[[SystemResponsiveness unter Windows konfigurieren]]
Sinnvolle Testreihenfolge
Vor der Registry-Änderung sollten zunächst andere Ursachen ausgeschlossen werden:
- Verbindungsgeschwindigkeit des Netzwerkadapters prüfen.
- Aktuellen Netzwerktreiber installieren.
- Kabel und Switch-Port kontrollieren.
- Datenträgergeschwindigkeit auf beiden Seiten messen.
- Datendurchsatz mit iPerf3 testen.
- CPU-, DPC- und Netzwerklast beobachten.
- Erst danach NetworkThrottlingIndex testweise deaktivieren.
- Messung unter identischen Bedingungen wiederholen.
Bleibt der Datendurchsatz unverändert, sollte wieder die Windows-Standardeinstellung verwendet werden.
Sicherung und Wiederherstellung
Registrierungsschlüssel sichern
Vor der Änderung sollte der vollständige Schlüssel exportiert werden:
reg export "HKLM\SOFTWARE\Microsoft\Windows NT\CurrentVersion\Multimedia\SystemProfile" "%USERPROFILE%\Desktop\Multimedia-SystemProfile.reg" /y
Standardwert setzen
Der historisch dokumentierte Standardwert beträgt 10 dezimal:
reg add "HKLM\SOFTWARE\Microsoft\Windows NT\CurrentVersion\Multimedia\SystemProfile" /v NetworkThrottlingIndex /t REG_DWORD /d 10 /f
Manuell angelegten Wert löschen
War der Wert ursprünglich nicht vorhanden, kann der selbst angelegte Eintrag gelöscht werden:
reg delete "HKLM\SOFTWARE\Microsoft\Windows NT\CurrentVersion\Multimedia\SystemProfile" /v NetworkThrottlingIndex /f
Anschließend muss Windows neu gestartet werden.
Fazit
NetworkThrottlingIndex = FFFFFFFF deaktiviert nach älterer Microsoft-Dokumentation die MMCSS-Netzwerkdrosselung.
Auf älteren Windows-Systemen oder bei speziellen Hochgeschwindigkeits-Netzwerkanwendungen kann dies den Datendurchsatz verbessern. Für aktuelle Windows-Versionen ist eine konkrete Wirkung jedoch nicht ausreichend dokumentiert und muss praktisch gemessen werden.
Die Einstellung ist daher kein allgemeiner Internet-, Ping- oder Spiele-Tweak. Ohne nachweisbare Verbesserung sollte der Windows-Standardwert beibehalten werden.