Klassisches Kontextmenü unter Windows 11 wiederherstellen
Windows 11 verwendet im Datei-Explorer ein verkürztes Kontextmenü. Befehle klassischer Programme und ältere Shell-Erweiterungen befinden sich häufig erst unter Weitere Optionen anzeigen. Mit einem Registry-Eintrag kann das klassische Kontextmenü aus Windows 10 wieder als Standardmenü eingeblendet werden.
Die Änderung beschleunigt Windows nicht. Sie verändert ausschließlich das Bedienverhalten des Datei-Explorers.
Kontextmenüs unter Windows 11
Windows 11 unterscheidet zwischen zwei Kontextmenüs:
Modernes Kontextmenü
Das moderne Kontextmenü zeigt häufig verwendete Befehle in einer kompakten Darstellung.
Dazu gehören unter anderem:
- Ausschneiden
- Kopieren
- Umbenennen
- Teilen
- Löschen
- Eigenschaften bestimmter Dateien
- Befehle angepasster Windows-11-Erweiterungen
Ältere Shell-Erweiterungen werden häufig nicht direkt angezeigt.
Klassisches Kontextmenü
Das klassische Kontextmenü enthält zusätzlich ältere Explorer-Erweiterungen und Befehle von Programmen, die noch nicht für das neue Windows-11-Kontextmenü angepasst wurden.
Es lässt sich normalerweise über folgenden Eintrag öffnen:
Weitere Optionen anzeigen
Alternativ kann bei ausgewählter Datei oder ausgewähltem Ordner folgende Tastenkombination verwendet werden:
Umschalt + F10
Auch ein Rechtsklick bei gedrückter Umschalttaste öffnet das erweiterte Kontextmenü.
Registry-Workaround
Der folgende Registry-Eintrag bewirkt, dass Windows 11 direkt das klassische Kontextmenü öffnet.
Registrierungspfad
HKEY_CURRENT_USER\Software\Classes\CLSID\{86ca1aa0-34aa-4e8b-a509-50c905bae2a2}\InprocServer32
Die Einstellung gilt nur für den aktuell angemeldeten Benutzer.
Administratorrechte sind bei einer Änderung unter HKEY_CURRENT_USER normalerweise nicht erforderlich.
Benötigte Schlüssel
Unterhalb von
HKEY_CURRENT_USER\Software\Classes\CLSID
muss folgender Schlüssel angelegt werden:
{86ca1aa0-34aa-4e8b-a509-50c905bae2a2}
Darunter wird ein weiterer Schlüssel angelegt:
InprocServer32
Der Standardwert von InprocServer32 muss vorhanden, aber leer sein.
Änderung im Registrierungseditor
- Den Registrierungseditor mit
regedit.exeöffnen.
- Zu folgendem Schlüssel wechseln:
HKEY_CURRENT_USER\Software\Classes\CLSID
- Unterhalb von CLSID einen neuen Schlüssel anlegen:
{86ca1aa0-34aa-4e8b-a509-50c905bae2a2}
- Unterhalb dieses Schlüssels einen weiteren Schlüssel anlegen:
InprocServer32
- Im rechten Bereich den Eintrag (Standard) öffnen.
- Das Feld für die Wertdaten vollständig leer lassen.
- Den Windows-Explorer neu starten oder Windows neu starten.
Registrierungsdatei
Die folgende Registrierungsdatei aktiviert das klassische Kontextmenü:
Windows Registry Editor Version 5.00
[HKEY_CURRENT_USER\Software\Classes\CLSID\{86ca1aa0-34aa-4e8b-a509-50c905bae2a2}]
[HKEY_CURRENT_USER\Software\Classes\CLSID\{86ca1aa0-34aa-4e8b-a509-50c905bae2a2}\InprocServer32]
@=""
Der Inhalt kann als Datei mit der Endung .reg gespeichert und anschließend ausgeführt werden.
Einstellung über das Windows-Terminal
Das klassische Kontextmenü kann mit folgendem Befehl aktiviert werden:
reg add "HKCU\Software\Classes\CLSID\{86ca1aa0-34aa-4e8b-a509-50c905bae2a2}\InprocServer32" /ve /t REG_SZ /d "" /f
Danach muss der Windows-Explorer neu gestartet werden.
Windows-Explorer neu starten
Über den Task-Manager
- Den Task-Manager öffnen.
- In der Prozessliste den Eintrag Windows-Explorer auswählen.
- Neu starten wählen.
Über das Windows-Terminal
taskkill /f /im explorer.exe start explorer.exe
Geöffnete Explorer-Fenster werden dabei geschlossen.
Alternativ kann Windows vollständig neu gestartet werden.
Wirkung der Änderung
Nach dem Neustart des Windows-Explorers erscheint beim normalen Rechtsklick unmittelbar das klassische Kontextmenü.
Der zusätzliche Befehl
Weitere Optionen anzeigen
ist dadurch normalerweise nicht mehr erforderlich.
Die Änderung betrifft insbesondere Kontextmenüs für:
- Dateien
- Ordner
- Laufwerke
- den Desktop
- freie Bereiche innerhalb des Datei-Explorers
Einzelne Anwendungen können eigene Kontextmenüs verwenden und von der Änderung unberührt bleiben.
Mögliche Vorteile
Das klassische Kontextmenü kann sinnvoll sein, wenn:
- häufig ältere Shell-Erweiterungen verwendet werden
- benötigte Programmbefehle nur unter Weitere Optionen anzeigen erscheinen
- der zusätzliche Mausklick vermieden werden soll
- viele klassische Dateiwerkzeuge installiert sind
- ein einheitliches Menü wie unter Windows 10 bevorzugt wird
Besonders bei Archivprogrammen, Dateiwerkzeugen, Entwicklungssoftware und anderen Explorer-Erweiterungen kann das klassische Menü mehr Befehle direkt anzeigen.
Mögliche Nachteile
Das klassische Kontextmenü kann folgende Nachteile haben:
- größere und unübersichtlichere Menüs
- längere Listen durch zahlreiche Shell-Erweiterungen
- langsamere Anzeige bei fehlerhaften oder schlecht programmierten Erweiterungen
- neue Windows-11-Befehle können anders angeordnet sein
- einzelne moderne Erweiterungen können nur im neuen Menü erscheinen
- der Workaround ist keine reguläre Windows-Einstellung
Ein sehr langsam öffnendes Kontextmenü wird normalerweise nicht durch Windows selbst verursacht, sondern häufig durch installierte Shell-Erweiterungen.
Einordnung des Registry-Eintrags
Der Registry-Eintrag ist ein nicht regulär dokumentierter Kompatibilitäts-Workaround. Microsoft stellt in der normalen Windows-Oberfläche keine dauerhafte Umschaltmöglichkeit zwischen modernem und klassischem Kontextmenü bereit.
Der Workaround kann durch zukünftige Windows-Aktualisierungen verändert, ignoriert oder entfernt werden. Nach größeren Funktionsupdates sollte deshalb geprüft werden, ob die Einstellung weiterhin funktioniert.
Alternative ohne Registry-Änderung
Wer das moderne Kontextmenü grundsätzlich behalten möchte, kann das klassische Menü bei Bedarf öffnen.
Über den Menübefehl
Rechtsklick → Weitere Optionen anzeigen
Über die Tastatur
Umschalt + F10
Über die Maus
Umschalttaste gedrückt halten und mit der rechten Maustaste klicken
Diese Methoden verändern keine Systemeinstellungen.
Rückgängig machen
Um wieder das moderne Windows-11-Kontextmenü zu verwenden, wird der angelegte CLSID-Schlüssel vollständig gelöscht.
Windows-Terminal
reg delete "HKCU\Software\Classes\CLSID\{86ca1aa0-34aa-4e8b-a509-50c905bae2a2}" /f
Danach muss der Windows-Explorer oder Windows neu gestartet werden.
Registrierungsdatei
Windows Registry Editor Version 5.00
[-HKEY_CURRENT_USER\Software\Classes\CLSID\{86ca1aa0-34aa-4e8b-a509-50c905bae2a2}]
Fazit
Der Registry-Eintrag stellt unter Windows 11 das klassische Kontextmenü als Standard wieder her. Die Änderung ist sinnvoll, wenn regelmäßig Befehle verwendet werden, die Windows erst unter Weitere Optionen anzeigen einblendet. Eine Leistungssteigerung entsteht dadurch nicht.
Wer das klassische Menü nur gelegentlich benötigt, kann stattdessen Umschalt + F10 oder einen Rechtsklick bei gedrückter Umschalttaste verwenden.